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Züchten mit Herz und Verstand

Züchten bedeutet nicht einfach nur „vermehren“. Es ist eine verantwortungsvolle und schöne Aufgabe, zielstrebig an der Weiterentwicklung einer Hunderasse mitzuwirken. Keineswegs sollte aus einer Laune heraus oder aus kommerziellen Erwägungen mit dem Züchten begonnen werden.

 

Mit der Schäferhundzucht lässt sich nur selten Geld verdienen. Im Gegenteil: es ist ein sowohl zeitaufwendiges als auch finanziell belastendes Hobby, das neben Idealismus und der Liebe zum Tier vor allem einen umfangreichen Sachverstand, klare Zielvorstellungen und Erfahrung voraussetzt.

 

Viel Platz für eine Zwingeranlage und eine verständnisvolle Nachbarschaft sind die Grundvoraussetzungen für eine Schäferhundezucht. Neben der Ausbildung der Zuchttiere und der Präsentation auf Zuchtschauen müssen vor allem die Welpen ständig betreut und umsorgt werden. Allein wird man das nicht schaffen, schon gar nicht, wenn man berufstätig ist.

 

Auch die finanzielle Seite dieses Hobbys muss bedacht werden. Die Kosten für die Anlage, das Futter, den Tierarzt und all jene Ausgaben, die mit der Zulassung des Hundes zur Zucht zusammenhängen – Ausbildung, HD-, ED- und DNA-Verfahren, Prüfungen, Zuchtschauen, Körungen, Fahrt zum Deckrüden, Deckgebühr usw. – gehen ganz schön ins Geld. Durch den Verkauf der Welpen werden die Kosten nur selten gedeckt.

 

Papiere:
 

Für einen Laien mag es wohl so sein:

Sieht aus wie ein Deutscher Schäferhund ! Ist ein Deutscher Schäferhund !

Aber ganz so einfach ist das nicht!   Rasse - Echtheitszertifikat

Ein Schäferhund ist nämlich erst dann Schäferhund, wenn er ein " Rasse - Echtheitszertifikat "
besitzt. Umgangssprachlich auch " Ahnentafel " oder einfach nur "Papiere" genannt.
Jeder "echte" Deutsche Schäferhund, der über den Verein für Deutsche Schäferhunde gezüchtet
wurde, erhält seine " Papiere " als Identitätsnachweis. Außerdem wird jeder Hund im Alter
von 8 Wochen mit einer Tätowiernummer im rechten Ohr versehen, die ebenfalls in der
Ahnentafel eingetragen ist (ab 01.01.2010 wurde das Tätowieren gegen das Chippen ersetzt). Die Ahnentafel ist also vergleichbar mit einem Personalausweis !

In der Ahnentafel sind die letzten 4 Generationen der Herkunft des Hundes erfasst.
Außerdem werden der Züchter, der Eigentümer, die Inzucht und die ersten 10 Prüfungen
eingetragen. Die Ahnentafel ermöglicht den Züchtern sinnvoll bestimmte Blutlinien
zusammenzuführen.
 
 

Ahnentafeln sind kein Stammbaum

"Rasse-Echtheitszertifikat" heißt das wichtigste Papier, das ein Schäferhundkäufer erhalten muss. Nur ein vom FCI und VDH anerkannter Verein wie der SV stellt es aus. Kein Hund ohne diesen Pass kann als rassereiner Deutscher Schäferhund gelten. Anders als Ahnentafeln, die vier Generationen zurückgehen, führt der Stammbaum zur Wurzel der Rasse – zum Stammvater. Beim SV ist das „Horand von Grafrath“, Zuchtbuchnummer eins.

 

Erstellt und ausgegeben wird die Ahnentafel vom SV. In diesem "vereinsamtlichen Auszug" aus dem Zuchtbuch (darin sind zurzeit über 2 Mio. Hunde erfasst) sind die insgesamt 30 direkten Vorfahren des Tiers angegeben. Das Rasse-Echtheitszertifikat führt also bis in die Generation der Ururgroßeltern des Hundes zurück und gibt auch Auskunft über deren Qualitäten. Für 30 Hunde sind darin einzeln die Leistungsnachweise aufgeführt, Informationen über Farbe der Geschwister und über Farben, Ausbildungs-, Ausstellungs- und Körergebnisse der Vorfahren und deren Geschwister. Für den verantwortungsvollen Züchter bieten die hier zusammengestellten Informationen die wichtigste Grundlage für eine planvolle Arbeit.

 

Falls bereits vorhanden, enthält die Ahnentafel auch den Körbericht des Hundes. Wichtig darin ist die Beschreibung des Hundes. Aus ihr gehen seine Vorzüge und Nachteile, die guten und weniger guten Eigenschaften hervor. Auch Raum für zuchtbuch- und köramtliche Vermerke bietet die Ahnentafel: Wurde der Hund angekört, und wenn ja, in welcher Klasse und wie lange.

 

In der Ahnentafel sind schließlich noch die Besitzverhältnisse vermerkt. Der Verkäufer eines Deutschen Schäferhundes ist verpflichtet, bei dessen Abgabe die Ahnentafel mit auszuhändigen und darin den neuen Eigentümer mit Angabe des Datums einzutragen und zu bestätigen.

 


 Körung (Zuchttauglichkeit)

Erst die Körung macht planmäßige Zucht möglich


Die Körung ist ausschließlich Tieren vorbehalten, die im Zuchtbuch des SV verzeichnet sind und im Jahr der Körung mindestens zwei Jahre alt werden. Als weitere Voraussetzungen müssen sie mindestens eine Schutzhund-1-Prüfung (SchH1) und eine Ausdauerprüfung (AD) nachweisen. Zusätzlich muss der Hund noch das HD-Verfahren durchlaufen haben und dies mit dem „a“-Stempel in der Ahnentafel belegen. Kranke Tiere und solche, die nicht durch ihre Tätowiernummer identifiziert werden können, dürfen nicht zur Ankörung. Unter den Zuchttieren kann nur so die Auslese getroffen werden, die einen Hund nach Wesen, Leistung und Anatomie dazu befähigt, „in besonderem Maß zur Erhaltung und Förderung der Rasse“ zu dienen. Ein Körschein ist damit ein Prädikat, das ausschließlich von Körmeistern vergeben wird, die als Zuchtrichter beim SV Meriten erworben haben.

 

Den Anfang macht eine Wesensprüfung: Der vierbeinige Kandidat muss sich dabei als unbefangen, nervenfest, selbstsicher und gutartig erweisen. Dazu wird er verschiedenen Reizsituationen ausgesetzt, deren Bewältigung seine Wesenszüge erkennen lässt. Zu jedem Zeitpunkt muss er von seinem Hundeführer kontrolliert werden können. Danach wird der Hund gemessen, gewogen und in Stand und Bewegung vom Körmeister beurteilt. Aus einer Gesamtbewertung aller Daten wird dann die zuerkannte Körklasse ermittelt und im Körschein vermerkt, der zunächst zwei Jahre gültig ist. Im letzten Jahr vor Ablauf dieser Frist kann das Tier noch einmal zur Ankörung auf Lebenszeit vorgestellt werden.

 

Etwa 5.000–6.000 Deutsche Schäferhunde gehen alljährlich in diese Prüfung. In Körklasse 1 wird ihnen die höchstmögliche und zuchtempfehlende Qualifikation zugesprochen. Körklasse 2 nimmt Hunde auf, die in Größe und Anatomie geringe Abweichungen vom Standard zeigen, ihm aber im Wesen genügen. Alle vorgeführten Tiere werden einmal jährlich im Körbuch des SV veröffentlicht. Für Züchter und Zuchtwarte sind ihre Daten eine wichtige Information.


 

Die Zuchtschau: nur schön zu sein genügt hier nicht

Eine Zuchtschau beim SV: Das ist für jeden Hund (und seinen Besitzer) der Augenblick der Wahrheit. Denn hier geht es um das Wichtigste des Vereins – um die vererbbare Qualität seiner Tiere. Gutes Aussehen allein garantiert dabei noch keinen ersten Platz.

 

Für Zuchtschauen müssen Hunde in Vorprüfungen Leistungen erbringen – und sie körperlich unter Beweis stellen. Die Beurteilung durch ausgebildete SV-Zuchtrichter erfolgt nicht nur aus dem Stand, sondern auch im ausdauernden Trab. Die Bewertungen werden nach strengen Maßstäben abgegeben. Nur wenn Aussehen und Wesen im Hinblick auf den Rassestandard stimmen, kann der Richter eine Zuchtbewertung zuerkennen. Natürlich entwickelt sich dadurch auch ein Wettbewerb, in dem sich die Besten mit den Besten messen.

 

Der Verein für Deutsche Schäferhunde veranstaltet jährlich mehrere hundert Zuchtschauen. Orte und Termine geben die örtlichen Vereine bekannt und sind in der SV-Zeitung oder auf unserer Homepage nachzulesen. Die Ortsgruppen führen Sonderschauen für die Jugendklasse (12-18 Monate), die Junghundklasse (18-24 Monate) und die Gebrauchshundklasse (über 2 Jahre) durch. Zukünftige Züchter lassen ihre Tiere auf diesen Schauen zum ersten Mal kritisch begutachten.

 

Der Höhepunkt einmal im Jahr ist die SV-Bundessiegerzuchtschau, zu der nur Hunde mit Spitzenergebnissen zugelassen werden. Für jede Zuchtschau wird der Hund mit gezieltem Training optimal vorbereitet. Einen Faktor kann man kaum beeinflussen, die Tagesform des Vierbeiners. Genau wie wir Menschen sind auch Hunde manchmal nicht so gut drauf. Das ist kein Grund, auf den treuen Freund böse zu sein.

 

Absicherung der Abstammungsangaben mit molekulargenetischer Diagnostik

Schon seit einigen Jahren werden in der modernen Tierhaltung erfolgreich biotechnologische Verfahren für züchterische Zielsetzungen eingesetzt. Eine dieser Zielsetzungen betrifft heute die Stammbaumsicherung.

 

Mit der Einführung DNA-analytischer Methoden (DNA=Erbgut) hat der SV als einer der ersten Zuchtvereine die Bedeutung dieser Methoden erkannt und die molekularbiologische Abstammungssicherung für Zuchttiere seit Januar 1999 zur Pflicht gemacht. Die Einzelresultate werden in einer genetischen Datenbank erfasst und sind für nachfolgende Abstammungsuntersuchungen jederzeit abrufbar.

 

Es ist unmittelbar einleuchtend, dass für die korrekte Zuchtbuchführung die Abstammungsverhältnisse gesichert sein müssen. Nicht nur aus formalen Gründen, sondern auch, weil aus den Stammbäumen heraus wichtige Zuchtentscheidungen getroffen werden. So lassen sich aus der Merkmalskonstellation der Elterntiere u. U. Vorhersagen über die Merkmalsausprägung der Nachkommen treffen. Dies freilich nur auf Basis einer gesicherten Abstammung.

 

Das Verfahren beginnt mit der Blutentnahme, dem Ausfüllen der Begleitpapiere und dem Versand durch einen Tierarzt. Die eingegangenen Proben werden vom Labor registriert, analysiert und langfristig eingelagert. Die erstellten Resultate, die Genotypenformeln, werden in einer eigens konzipierten Datenbank erfasst und stehen für spätere Abstammungsuntersuchungen, die ausschließlich vom SV veranlasst werden, zur Verfügung. Nach Mitteilung eines positiven Befundes an den SV erhält der Züchter den DNA-Stempel in der Ahnentafel.